Der Weltfrauentag ist mehr als ein symbolischer Feiertag – er ist ein politischer Auftrag

Der Weltfrauentag ist mehr als ein symbolischer Feiertag
– er ist ein politischer Auftrag
Gleichstellung ist keine Randnotiz, sondern Kern kommunaler Verantwortung
Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März wird auf die weiterhin bestehenden
strukturellen Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern aufmerksam gemacht und die
besondere Verantwortung der Kommunen für die tatsächliche Umsetzung von Gleichstellung im
Alltag der Menschen unterstrichen.
Der Internationale Frauentag steht seit über 100 Jahren für den Einsatz für gleiche Rechte,
gleiche Chancen und gleiche Teilhabe. Er erinnert daran, dass Gleichberechtigung nie
selbstverständlich war und es bis heute nicht ist. Trotz wichtiger Fortschritte zeigen aktuelle
Daten und kommunale Erfahrungen deutlich: Gleichstellung ist noch nicht erreicht.
Frauen sind nach wie vor überdurchschnittlich von Teilzeitbeschäftigung, geringeren
Einkommen und Altersarmut betroffen. Sie tragen den größten Teil unbezahlter Sorgearbeit und
erleben geschlechtsspezifische Gewalt in alarmierendem Ausmaß. Gleichzeitig sind sie in
politischen und administrativen Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert.
Wer über Ressourcen, Zeit und Macht entscheidet, prägt unsere Gesellschaft und dort
sind Frauen noch immer nicht gleich vertreten.
„Gleichstellung entscheidet sich nicht abstrakt, sondern konkret vor Ort – in Kitas, Schulen,
Verwaltungen, im öffentlichen Raum und in politischen Gremien“, betont Katrin Warstat,
Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und
Gleichstellungsbüros – kurz: LAG Gleichstellung. „Sie beginnt nicht im Leitbild, sondern im Alltag
der Menschen.“ Kommunen gestalten Lebensbedingungen unmittelbar und tragen damit eine
zentrale Verantwortung für faire Teilhabe, Sicherheit und Chancengerechtigkeit.
Besondere Herausforderungen bestehen weiterhin bei der Vereinbarkeit von Familie, Pflege und
Beruf, beim Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt sowie bei der gleichberechtigten
politischen Beteiligung. Diese Fragen entscheiden über die Zukunftsfähigkeit unserer
Demokratie. Gleichstellung ist ein zentraler Baustein für soziale Gerechtigkeit, demokratische
Stabilität und eine nachhaltige kommunale Entwicklung. Sie stärkt den gesellschaftlichen
Zusammenhalt und macht Kommunen resilienter und gerechter.
In einem Jahr, das in Niedersachsen im Zeichen der Kommunalwahl steht, kommt auch der
paritätischen, politischen Teilhabe von Frauen und Männer eine besondere Bedeutung zu. Denn
demokratische Entscheidungen sind nur dann tragfähig, wenn sie die Lebensrealitäten aller
Geschlechter widerspiegeln und Frauen in kommunalen Parlamenten, Ausschüssen und
Führungspositionen selbstverständlich vertreten sind.
Samtgemeinde Sickte - 2 -
Quelle LAG Gleichstellung
Der 8. März ist daher mehr als ein symbolischer Feiertag.
Er ist Mahnung und Handlungsauftrag zugleich. Bestehende Strukturen müssen kritisch
hinterfragt, erreichte Fortschritte gesichert und notwendige Veränderungen entschlossen
vorangetrieben werden. Dazu gehören eine ausreichende personelle und finanzielle Ausstattung
der kommunalen Gleichstellungsarbeit sowie der konsequente Abbau struktureller
Benachteiligungen.
Gleichstellungsarbeit ist keine freiwillige Aufgabe, die unter Haushaltsvorbehalt steht, sie
ist demokratische Pflicht.
Die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten rufen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft
dazu auf, den Internationalen Frauentag als Anlass zu nutzen, Gleichstellung als gemeinsame
und dauerhafte Aufgabe zu verstehen, am 8. März und an allen anderen Tagen des Jahres.
Die LAG Gleichstellung unterstützt ausdrücklich das Vorhaben, den 8. März als zusätzlichen
gesetzlichen Feiertag in Niedersachsen einzuführen. Ein gesetzlicher Feiertag setzt ein
sichtbares, gesellschaftliches Signal:
gegen fortbestehende strukturelle Benachteiligungen von Frauen und
für eine gerechte Verteilung von Chancen, Zeit und Macht.
Chancengleichheit ist kein abstraktes Ziel, sondern eine tägliche gesellschaftliche Aufgabe.
Geschlechtergerechtigkeit ist ein zentraler Pfeiler einer stabilen Demokratie, in der alle Stimmen
gehört werden.
Ein gesetzlicher Feiertag am 8. März würde diesem Anspruch sichtbaren Ausdruck
verleihen, als Erinnerung an Erreichtes, als Mahnung angesichts bestehender
Ungleichheiten und als klarer politischer Auftrag für die Zukunft. Gleichstellung ist kein
Sonderthema. Sie ist Gradmesser für die Qualität unserer Demokratie und Voraussetzung
für eine gerechte, lebenswerte Kommune.
Mit freundlichen Grüßen
gez.
Carola Grothe
Gleichstellungsbeauftragte
i.A. der Samtgemeinde Sickte

Quelle LAG Gleichstellung